Simone Biles: „Ich wusste immer, dass ich zurückkehren will"

Sie ist die überragende Turnerin der vergangenen Jahre: Alleine 14-mal holte Simone Biles schon WM-Gold und wurde zudem viermal Olympiasiegerin. Wir haben mit der 21-jährigen Ausnahmeturnerin über ihren Start in Stuttgart, ihre Turn-Auszeit und was sie aus Niederlagen lernt gesprochen.

Simone, du kommst das erste Mal nach Stuttgart für den EnBW DTB Pokal. Fiel diese Entscheidung aufgrund der anstehenden Turn-WM an gleicher Stelle?

Ja, genau. Ich habe mich für einen Start beim Weltcup in Stuttgart entschieden, weil es mir die Möglichkeit gibt, den WM-Standort kennen zu lernen und dort einen Wettkampf zu bestreiten. Außerdem passt es zu meinen Engagements in Übersee.

Was verbindest du mit Deutschland?

Ich verbinde gutes Essen und freundliche Menschen mit Deutschland und freue mich auf meine Zeit dort.

Du hast dir nach den Olympischen Spielen 2016 ein Jahr eine Auszeit vom Turnen genommen. Wie kann man sich dieses Jahr vorstellen?

Schon sehr früh in meinem Leben habe ich nach einem sehr reglementierten Zeitplan gelebt - wo ich nur bestimmte Lebensmittel aß, zu einer bestimmten Zeit ins Bett ging, sechs Tage die Woche trainierte und viel opferte – deshalb genoss ich das Leben nach den Olympischen Spielen ein wenig. Ich nahm mir die Zeit, mich zu entspannen und meinen Körper auszuruhen; ich reiste an Orte, die ich schon immer einmal sehen wollte, verbrachte viel Zeit mit meiner Familie und erlaubte mir, Gelegenheiten zu genießen, die ich in den vergangenen Jahren nicht nutzen konnte.

Wann war dir klar, dass du unbedingt zurückkehren willst?

Ich wusste immer, dass ich zurückkehren will. Nach den Olympischen Spielen 2016 entschied ich mich, mir ein Jahr eine Auszeit zu nehmen. Und als dieses Jahr vorbei war, begann ich wieder mit dem Training, um mein Ziel zu erreichen, an den Olympischen Spielen 2020 teilzunehmen.

Turn-Veranstaltungen werden immer mehr zum Event. Wie gefallen dir solche Darbietungen wie zum Beispiel von Katelyn Ohashi zur Musik von Michael Jackson?

Turn-Veranstaltungen sollen unsere Stärke, unser Talent und unsere harte Arbeit zeigen und die Bodenroutine bietet die perfekte Gelegenheit, um das zu tun. Es erlaubt uns, unsere Individualität zu zeigen und Katelyns Routine ist ein gutes Beispiel dafür. Sie ist eine erstaunliche Turnerin und ich liebe es, was sie mit der Musik von Michael Jackson gemacht hat.

Du selbst hebst das Turnen akrobatisch auf eine neue Ebene. Am Sprung hast du in Doha ein neues Element gezeigt, das nach dir benannt wurde. Kannst du uns kurz beschreiben, was alles zu tun ist, bis so etwas im Wettkampf perfekt funktioniert?

Wenn ich ein neues Element trainiere, muss ich es mir erst einmal visualisieren. Dann muss ich das Timing und das Gefühl bekommen. Für meinen neuen Sprung bedeutete dies, dass ich das Timing meiner Geschwindigkeit, die Höhe über den Sprungtisch und die Drehung meines Körpers zusammen synchronisiere. Sobald ich in der Lage bin, das Element zu turnen, geht es darum, es zu wiederholen, dass es mir in Fleisch und Blut übergeht. Das ist für mich der schwierigste Teil, bringt aber einen großen Vorteil, wenn es dann in den Wettkampf geht.

Deine Übungen strotzen nur so vor Höchstschwierigkeiten, trotzdem sieht alles kinderleicht bei dir aus. Gibt es ein Element, vor dem du trotzdem besonders großen Respekt hast?

Ich verbringe mehr Zeit am Stufenbarren als an jedem anderen Gerät, um dort möglichst viel Vertrauen zu bekommen.

Viele anderen Turnerinnen trainieren ebenfalls sehr hart und kommen trotzdem nicht auf solch ein hohes Niveau wie du. Was macht deiner Meinung nach den Unterschied aus?

Während meiner gesamten Turnkarriere war ich extrem diszipliniert und zielgerichtet, um das Maximale aus mir herauszuholen und meine Ziele zu erreichen. Aber ich glaube, dass ich mit der Fähigkeit gesegnet bin, neue Fähigkeiten zu visualisieren und sie dann zu replizieren. Das hilft mir, neue Bewegungen schneller zu lernen.

Was macht das Turnen für dich so besonders?

Ich liebe das Turnen weil es mir die Möglichkeit gibt, meine Kraft zu zeigen und mir die Freiheit gibt, meine Persönlichkeit durch meine Übungen auszudrücken.

Du hattest bereits viele erfolgreiche Momente, welche Niederlagen im Turnen musstest du hinnehmen und haben sie dich stärker gemacht? 

Ich habe gelernt, dass es in der Vergangenheit Zeiten gegeben hat, in denen ich nicht erfolgreich war oder unter meinen Erwartungen geblieben bin, weil ich nicht vorbereitet war. Ich habe akzeptiert, dass ich, um erfolgreich zu sein, hart trainieren muss, um jeden Tag ein bisschen besser zu sein als am Tag zuvor.

Wenn du deine Karriere beendest, hast du bereits jetzt einen Plan für danach? Könntest du dir vorstellen als Trainerin zu arbeiten?

Wenn ich meine Karriere beende, glaube ich, dass ich weiterhin im Turnen arbeiten werde, weil ich so viel Leidenschaft dafür habe. Aber ich glaube nicht, dass ich Trainer werde. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Erlernen dieser Fähigkeiten und dem Unterrichten. Aktuell denke ich, dass ich es vorziehen würde, als Kommentator zu arbeiten, oder etwas Ähnliches. Aber im Moment konzentriere ich mich auf mein Training und die anstehenden Wettkämpfe.

Der us-amerikanische Turn-Verband steht seit einigen Monaten vor großen Herausforderungen. Was muss aus deiner Sicht passieren, damit diese Situation gemeistert werden kann?

Es ist mir bewusst, dass USA Gymnastics viele Herausforderungen zu bewältigen hat. Aber ich bin zuversichtlich, dass sie den richtigen Weg finden werden, um ihren Athleten das beste Umfeld zu bieten. Ich liebe Turnen und ich werde die Farben meines Landes dabei weiterhin nach bestem Können vertreten.

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