Marcel Nguyen steigt beim EnBW DTB-Pokal wieder in den Mehrkampf ein. Foto: Potthoff

„Ich freue mich riesig auf die Heim-WM“

Marcel Nguyen hat bei den Olympischen Spielen in London jeweils Silber am Barren und im Mehrkampf geholt. Zuletzt hat sich der 30-Jährige, der im Kunst-Turn-Forum des Schwäbischen Turnerbunds in Bad Cannstatt trainiert, verstärkt auf den Barren und das Reck konzentriert. Beim EnBW DTB-Pokal startet er aber wieder im Mehrkampf. Im Gespräch erzählt der gebürtige Münchner unter anderem über den Weg zurück zum Mehrkampf.

Marcel, du bist seit einigen Jahren das Gesicht des EnBW DTB-Pokals in Stuttgart. Smart lächelnd, schick frisiert und gut durchtrainiert in Verbindung mit deinen Tattoos zierst du die Werbeplakate. Wie ist das, wenn man sich an vielen Ecken im Stadtgebiet „bestaunen“ kann?
Das ist schon nicht schlecht. Wobei für mich ist es nichts Neues. Ich ziere nun schon seit einigen Jahren das Plakat des Pokals, zudem hängen einige in unserer Trainingshalle. Von Kumpels werde ich indes immer wieder angesprochen, wenn sie es Jahr für Jahr wiederentdecken.

Hast du etwas an dir auszusetzen oder gefällt dir dein Erscheinungsbild?
Nee, das passt schon, ich hatte ja damals Einfluss auf die Aufnahme. Von den Tattoos passt es immer noch, nur am Rücken ist mittlerweile ein kleines dazugekommen.

Zuletzt hast du sozusagen vorrangig auf Barren und Reck gesetzt. Beim EnBW DTB-Pokal gehst du erstmals seit langem wieder bei einem großen Event im Mehrkampf an den Start.

Das stimmt – zwangsläufig. Das Reglement wurde geändert. Bei Olympischen Spielen durften bislang fünf Sportler mit, vier mussten nur im Mehrkampf starten. Nun darf man nur noch vier für den Mehrkampf melden und die müssen dann alle auch an die Geräte. Deshalb nehme ich den Mehrkampf wieder in Angriff.

Hast du dein Trainingsprogramm deutlich umkrempeln beziehungsweise den Umfang erhöhen müssen?
Klar, Veränderungen im Trainingsablauf musste ich schon vornehmen. Es bleibt nicht mehr so viel Zeit für die einzelnen Geräte. Die Belastung ist höher und der Körper wird mehr beansprucht. Zudem wird die Zeit für die einzelnen Geräte geringer.  

Was macht für dich den Reiz des Mehrkampfs aus?
Der Mehrkampf ist die Königsdisziplin des Turnens. Dementsprechend ist eine Medaille im Mehrkampf auch höher einzustufen als in einer einzelnen Disziplin. Die Fähigkeiten jedes einzelnen Turners müssen höher sein. Du musst an jedem Gerät top sein, darfst dir an jedem Gerät keinen Fehler leisten, sonst hast du keine Chance, etwas zu gewinnen. Die psychische und konditionelle Beanspruchung ist weitaus höher, als wenn man sich nur auf einzelne Geräte konzentrieren muss.

Wie ist dir die Umstellung zurück zum Mehrkampf gelungen?

Das wird sich in Stuttgart zeigen (lacht). Nein, Spaß beiseite, es geht natürlich nicht von heute auf morgen, dass man im Mehrkampf wieder bei den Besten mitmischen kann. Aber ich habe ja bereits bei den Bundesliga-Wettkämpfen drei bis vier Geräte geturnt. Körperlich merke ich schon, dass es eine größere Anstrengung ist.

Was hast du dir für den Weltcup in Stuttgart vorgenommen?
Wie eigentlich immer sind in Stuttgart starke Turner am Start. Da ich, wie gesagt, schon länger nicht im Mehrkampf tätig war, weiß ich nicht, wo ich international stehe. Deshalb nehme ich mir auch keine spezielle Platzierung vor. Vielmehr möchte ich ein stabiles Programm präsentieren und möglichst fehlerfrei durchkommen.

Hand aufs Herz, wie groß ist die Vorfreude auf die Weltmeisterschaften 2019 in Stuttgart?
Riesig. Die WM in Stuttgart ist mit ein Grund, warum ich nach den Olympischen Spielen in Rio weitergemacht habe.  Es ist einfach sensationell im eigenen Land eine WM zu haben. Stuttgart 2007 war ja schon ein unvergessliches Ereignis, die Begeisterung einzigartig. Ich gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr wieder ein großes Sportfest wird.

Bei der WM 2019 in Stuttgart bist du dann 32 Jahre alt. Wird das dein letzter großer Wettkampf sein?
Nein, ich habe noch vor, Olympia in Tokio mitzunehmen und dann aufzuhören. Wenn mir das so gelingt, wie ich es derzeit plane, dann hätte ich eine echt coole Karriere gehabt.

Seit mehr als einem Jahr ist deine Freundin Michelle Timm auch am Stützpunkt in Stuttgart. Wie kritisch geht ihr mit euren Leistungen um?

Natürlich sehen wir uns im Training. Aber jeder macht da sein eigenes Ding. Klar, wenn mir etwas Gravierendes auffällt, dann spreche ich sie darauf an. Aber das kommt nur sehr, sehr selten vor, denn privat sprechen wir sowieso kaum übers Turnen.

Was sagt sie, wenn du im Vorfeld des EnBW DTB-Pokals in der Stadt von den Plakaten lächelst.
Ich denke, sie hat nichts daran auszusetzen. Sonst hätte sie sicherlich schon etwas gesagt.

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Übrigens, Tickets zum EnBW DTB-Pokal gibt es hier!

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